Sonntag, 9. August 2020

Warum eine Pro-Abtreibungs-Kolumnistin sagt, die Bewegung liege in Trümmern


 von John Horvat II


Es ist immer gut, hinzuhören, wenn die Pro-Abtreibungs-Feminist/inn/en offen über den Zustand ihrer Bewegung sprechen. Es offenbart die Schwäche der anderen Seite und hilft, die Illusion von der Unbesiegbarkeit der Liberalen zu zerstreuen.

Ein kürzlich in der britischen Tageszeitung The Guardian veröffentlichter Kommentar fungiert hier als Augenöffner. Die Verfasserin ist Jessa Crispin (Crispin, Jessa: Opinion Gender: The pro-choice movement is in tatters. Planned parenthood is part of the problem, The Guardian, 13. Juli 2020 [Meinung Gender: Die Freie-Wahl-Bewegung liegt in Trümmern. Planned Parenthood ist Teil des Problems]).

Sie ist eine US-Korrespondentin der Zeitung und ehemalige Mitarbeiterin von Planned Parenthood [„Geplante Elternschaft“, entspricht der deutschen „pro familia“], die rund fünf Jahre l


ang in einer texanischen Zweigstelle der Organisation gearbeitet hat. Sie beklagt sich bitter darüber, dass die „Freie-Wahl-Bewegung in Trümmern“ liege und Planned Parenthood „Teil des Problems“ sei.

Vieles von dem, was die Verfasserin hier sagt, ist nicht neu. Die prekäre Situation der Abtreibungsbewegung spiegelt sich in der wachsenden Zahl von Klinikschließungen (1707 seit 1991) und in der ansteigenden Zahl von Bundesrichtern [der USA] wider, die ihre Urteilssprüche durchsetzen. Die Reporterin zieht jedoch zwei sehr wichtige Schlüsse, die alle Lebensrechtler kennen sollten.

Planned Parenthood = 
Pro-Abtreibungs-Bewegung

Ihre erste Beobachtung ist, dass die Pro-Abtreibungs-Bewegung in den USA fast untrennbar mit Planned Parenthood verbunden ist. Jenseits des Schattens dieses riesigen, „gemeinnützigen“, aber dennoch profitablen Giganten existiert kaum etwas. Nicht nur führt Planned Parenthood landesweit die allermeisten Abtreibungen durch, sondern ist auch zugleich der politische Meinungsführer, das wirtschaftliche Kraftwerk und das Medienzentrum der Bewegung.

Die schlechte Nachricht dabei ist, dass Planned Parenthood solide finanziert, stark vernetzt und fest etabliert ist. Die gute Nachricht ist, dass Planned Parenthood der einzige Player in den Städten ist. Wenn der Abtreibungsriese dem Untergang entgegengeht, zerfällt auch die gesamte Abtreibungsbewegung. Der schlechte Ruf der Organisation reißt alles mit sich in den Abgrund. Und da ist nichts, was sie ersetzen könnte, es gibt keinen Plan B.

Die abtreibungsfreundliche Guardian-Kolumnistin prangert Planned Parenthood als dekadent an. Sie behauptet, die Organisation habe sich dem liberalen Establishment angeschlossen. Sie habe die Leidenschaftlichkeit einer Bewegung verloren und dafür die Selbstzufriedenheit einer milliardenschweren NGO erlangt. Jessa Crispin sagt, Planned Parenthood sei damit beschäftigt, „intime Beziehungen mit den Mächtigen zu pflegen, den Geschäftsführern der regionalen Filialen Gehälter im mittleren sechsstelligen Bereich zu zahlen, rein symbolische Gesten zu machen und einen griffigen Slogan für den Verkauf von T-Shirts zu entwickeln“. Dieser kopflastige bürokratische Goliath sei auf das Sammeln von Spenden mittels Promi-Galas spezialisiert, die seine Existenz und sein Komfort aufrechterhalten.

Planned Parenthood verliert den Bodenkrieg

Das Ergebnis von alldem ist, dass Planned Parenthood den Bodenkrieg verliert.

Diese zweite Beobachtung ist sehr aufschlussreich. Alle Kriege, auch Kulturkriege, brauchen Fußsoldaten. Die Kolumnen-Schreiberin beklagt den mangelnden Zuspruch für die Bewegung auf Basisebene. Während die Bonzen von Planned Parenthood mit Persönlichkeiten des Establishments Duz-Umgang pflegen, beten die Lebensrechts-Aktivisten draußen, vor den Abtreibungskliniken den Rosenkranz, bringen Gesetze auf den Weg, bewirken, dass Kliniken schließen, und bilden große Netzwerke von Basisaktivisten.

Das Versäumnis, sich vor Ort lokal zu organisieren, bedeutet, dass der Zugang zur Abtreibung überall weiter abnimmt. Der nationale Dachverband der Non-Profit-Organisation steht im Rampenlicht, während die örtlichen Abtreibungsmühlen häufig unterfinanziert und unterbesetzt sind. In einem Brief beispielsweise, den eine Belegschaft von Planned Parenthood von Greater New York an den Vorstand der Organisation sandte, wurde die Führung des „missbräuchlichen Verhaltens und finanzieller Unregelmäßigkeiten“ sowie des „systemischen Rassismus“ bezichtigt. Die Kliniken schließen fortgesetzt aufgrund von Missmanagement, Pro-Life-Aktivismus und einer vergifteten Arbeitsatmosphäre.

Die Bewegung scheitert vornehmlich, weil sie nicht mit dem Volk auf Tuchfühlung sein kann. Die Kommentatorin beklagt, dass der Slogan „‘Mein Bauch – meine Wahl‘ anscheinend das Beste ist, was sich unsere Pro-Choice-Führer noch einfallen lassen können, um unsere Rechte zu schützen“. Solche markigen Sprüche seien nicht geeignet, eine in sich stimmige und schlüssige Botschaft zu vermitteln, die „klar macht, was hier auf dem Spiel steht“.

In weiten Landstrichen der Vereinigten Staaten gibt es eben keine „Freie Wahl“

Für eine Bewegung, die sich selbst Pro-Choice nennt, sind weite Landstriche der USA weiterhin ohne Wahlfreiheit für die Abtreibung belassen – trotz des Roe-versus-Wade-Urteils [des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom 22. Januar 1973], beklagt Jessa Crispin bitter (während die Lebensrechtler frohlocken). Viele potenzielle Opfer können sich die exorbitante Abtreibungsgebühr von 400 bis 600 US-Dollar von Planned Parenthood nicht leisten. Sechs Bundesstaaten haben nur eine überlebende Abtreibungsklinik – eine Tatsache, die eine Abtreibung in den entlegenen Gebieten praktisch verbietet.

„Da haben Sie keine Wahl, wenn die nächste Klinik 400 Meilen entfernt liegt, Sie kein Auto besitzen und [die amerikanische Bahngesellschaft] Amtrak das letzte Mal vor 80 Jahren eine Haltestelle in Ihrer Stadt angefahren hat.“

Was die Sache für die andere Seite noch schlimmer macht, ist dass die Feminist/inn/en der Generation Z [die im digitalen Zeitalter von 1995 bis 2010 Geborenen] dem Bodenkampf vor Ort gleichgültig gegenüberzustehen scheinen. Liberale Aktivist/inn/en dieser Altersgruppe sehen das Thema „Abtreibung“ nicht als so vorrangig an und engagieren sich [lieber] bei anderen sozialen oder ökologischen Problemen, die als dringlicher erachtet werden.

Darüber hinaus ist es der Pro-Life-Bewegung gelungen, [der Abtreibungslobby von] Planned Parenthood den wohlverdienten schlechten Ruf zu verleihen.

Zwei Lektionen

Die Guardian-Kolumne beinhaltet zwei Lektionen für die Lebensrechtler.

Die erste Lektion ist, dass eine einzige monolithische Organisation mit einem riesigen Budget ihre Nachteile hat. In der Tat leidet Planned Parenthood unter ihrer von oben nach unten organisierten bürokratischen Struktur, die sich leicht festfährt und schwerfällig wird. Ihre sozialistischen Einheitslösungen sind bedrückend und brutal und die Gemeinnützigkeit lässt kaum Wettbewerb zu.

Diese Zwangslage von Planned Parenthood unterscheidet sich so grundlegend von der erfrischenden Auswahl an organisch gewachsenen Pro-Life-Organisationen, die zahlreich, beweglich und anpassungsfähig sind. Wenn eine Pro-Life-Gruppe versagt, füllen [sofort] andere die Lücke.

Die zweite Lektion ist, dass Organisationsstrukturen allein nicht ausreichen, um sich durchzusetzen. Das menschliche Element ist entscheidend für den Erfolg. Die Lebensrechtsbewegung ist erfolgreich, weil sie das Thema „Abtreibung“ in eine moralische Debatte verwandelt hat, die tief in den Herzen der Menschen Widerhall findet. Die warmen moralischen Fragen schwingen mit, weil sie von transzendenten Werten und letztlich von Gott sprechen.

Jessa Crispin hat recht: Die Abtreibungsbewegung liegt heute „in Trümmern“. Dies liegt daran, dass Planned Parenthood die moralische Dimension der Abtreibung nicht aus der Debatte heraushalten konnte. Die Organisation leidet nun, weil sie selbst keine moralische Botschaft hat. Sie kann sich nur in profanen Begriffen der Beendigung des Lebens ausdrücken.

Im Moment hat die Abtreibungsbewegung bzw. Planned Parenthood vielleicht noch die legale Macht, um ihre Agenda mit Gewalt durchzuboxen, aber sie hat kein Herz. Sie kann die moralische Schlacht nicht gewinnen, der jetzt die Debatte umrahmt und die Aktionen so vieler Lebensrechtler inspiriert.

 

Quelle:

https://aktion-sos-leben.blogspot.com/2020/08/john-horvath-warum-eine-pro-abtreibungs.html

 

 

 

Dienstag, 19. Mai 2020

Ein Kind ist...






Es ist ein Wunder – sagt das Herz.
Es ist eine große Verantwortung – sagt die Vernunft.
Es ist sehr viel Sorge – sagt die Angst.
Es ist ein Geschenk Gottes – sagt der Glaube.
Es ist  unser größtes Glück – sagt die Liebe

Aus Irland
Quelle: Lebe Zeitschrift der Bewegung für das Leben – Südtirol
Ausgabe 136 – Januar-März 2018

Sonntag, 18. August 2019

Abtreibung als Mittel der Verhütung

Bischof Algermissen, Fulda
Als Mann der Kirche muss ich das zur Sprache bringen. Das Gesetz, vor zehn Jahren vom Bundestag beschlossen, hat sein Ziel, das menschliche Leben an seinem Anfang besser zu schützen, verfehlt. Die Zahl der Abtreibungen liegt nach wie vor bei 130 000. Fatalerweise hat sich durch die Formulierung „rechtswidrig“, aber „straffrei“ der Irrglaube durchgesetzt, dass Abtreibung sozusagen ein legales Mittel der Schwangerschaftsverhütung sei. Auch wenn der neue Bundestag kaum die Kraft haben wird, etwas zu ändern, möchte ich die Politiker doch daran erinnern, dass vor zehn Jahren mitbeschlossen wurde, nach geraumer Zeit die Regelung zu überprüfen und notfalls zu korrigieren. Diesen Notfall haben wir.
(Bischof Algermissen, 2005)


Donnerstag, 23. Mai 2019

Ohne Rücksicht auf Einschüchterung und Lob, Anwalt des Lebens sein


Zeuge Christi sein bedeutet, Zeugnis zu gegen für die Wahrheit, für Gott und die wahre Größe des Menschen, für die gottgewollte Ordnung in allen Lebensbereichen. Darum ist Kardinal von Galen damals so entschieden gegen die organisierte Ermordung sogenannten unwerten Lebens aufgetreten. Gegenüber menschenverachtender Tyrannei erinnerte er an das Gebot Gottes: „Du sollst nicht töten!“ Wenn auch heute die Bedrohung der Würde und Grundrechte des Menschen auf nicht so dramatische, sondern subtilere Weise geschieht, muss die Kirche nicht weniger bereit sein, „nec timore nec laudibus“, ohne Rücksicht auf Einschüchterung und Lob, sich gleichermaßen stets zum Anwalt des Lebens machen. Angesichts der erschreckend hohen Zahl der Abtreibungen und der zunehmenden unerlaubten Praktiken sogenannter „Sterbehilfen“ hat der Dienst am Leben für uns Bischöfe in der heutigen Gesellschaft erneut eine große Aktualität und Dringlichkeit erlangt. Es gilt, Gott als den alleinigen Herrn über Leben und Tod mit neuem Nachdruck zu verkünden und die feindliche Einstellung dem Leben gegenüber sowie den mangelnden Mut zur Weitergabe des Lebens durch ein neues Ja zum Leben zu überwinden. Vor allem in den Ehen und Familien ist ein zuversichtliches, lebensfreundliches Klima zu fördern, die Bereitschaft zu einem Leben, das offen und fähig ist, in der lebendigen Gemeinschaft mit Gott zu seiner vollen Entfaltung und Erfüllung zu gelangen, Denn Christus ist ja gekommen, daß die Menschen „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).

Ansprache Johannes Paul II. an die Deutsche Bischofskonferenz in Köln am 30.April 1987


Dienstag, 22. Januar 2019

Folgen der Abtreibung



Einundneunzig Prozent der Jugendlichen leiden am Trauma nach der Abtreibung ihrer eignen Kinder
Die britische Schauspielerin Emma Beck trieb im Alter von 30 Jahren ihr eigenes Kind ab und beging anschließend Selbstmord durch Erhängung. Sie erleichterte sich angeblich durch einen pathetischen Brief, den sie ihren Angehörigen hinterließ: „Das Leben ist mir zur Hölle geworden; ich hätte niemals abtreiben sollen, ich wäre eine gute Mutter gewesen. Ich möchte mit meinem Baby zusammen sein, es braucht mich jetzt mehr als irgendjemand anders“.
Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass freiwillige Abtreibungen schwere Folgen im Gehirn verursachen. Spezialisten werden immer mehr mit den durch Abtreibung verursachten psychopathologischen Folgen konfrontiert. Dies spiegelt sich in den Monographien wider, die am Runden Tisch „Schwangerschaft, Abtreibung und psychische Gesundheit“ auf dem Kongress der spanischen Vereinigung für Bioethik und medizinische Ethik vorgetragen wurden.
Eine in Finnland veröffentlichte Untersuchung ergab, dass die Zahl der Selbstmorde unter Jugendlichen nach Abtreibung angestiegen ist: Es sind nahezu 35 pro 100.000, dreimal so hoch als bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Abtreibung gehabt haben. Das gleich behauptete der Professor für Psychopathologie der Universität CEU-San Pablo, Aquilino Polaino, der die Ergebnisse einer Studie des Royal College of Psychyatrics als „alarmierend“ beurteilt, wonach „Abtreibung“ die Suizidrate bei Frauen mal drei multipliziert.“ Die größte Abtreibungsinstitution der Welt, die „International Family Planning Federation“ der Vereinigten Staaten, behauptet: „Die Häufigkeit von Traumata nach Abtreibung bei jungen Menschen durch chirurgische Abtreibungen kann bis zu 91% der Fälle erreichen.“
Frauen, die abtreiben, schauen gleichgültig auf den Tod ihrer eigenen Kinder. Wir leben in einer Kultur des Todes, in der wir von einem grausamen Egoismus und Mangel an Respekt für das menschliche Leben eines ungeborenen, unschuldigen und hilflosen Wesens umgeben sind. „Jedes Leben ist das Leben Gottes, das in einem noch nicht geborenen Kind unter uns ist. Niemand hat das Recht, ihnen das Leben zu nehmen. Stellen Sie sich den Schrei jener armen kleinen Menschen vor, die vor ihrer Geburt getötet werden. Jedes Leben gehört Gott. Abtreibung richtet sich gegen das Gebot der Liebe“, sagt Mutter Teresa von Kalkutta.

Ursprünglich in “Eurasia Hoy” veröffentlicht.

Quelle: http://infocatolica.com

Aus dem Spanischen von der Redaktion dieses Blogs.

Samstag, 19. Januar 2019

Der Traum vom perfekten Kind



Sandra Kegel
Wohin führt das Wissen über die Gesundheit des Embryos?
Immer häufiger kommt die Gentechnik in der vorgeburtlichen Diagnostik (PID) zum Einsatz. Und stellt Eltern vor riesige Konflikte: Das Wissen über die Gesundheit des ungeborenen Kindes wird zu einer Frage von Leben oder Tod.
Mithilfe des sogenannten Praena-Tests können heute schon
in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft
Körperzellen des ungeborenen Babys aus dem Blut
der Mutter rausgefiltert und auf Trisomien untersucht werden

Foto: Fotolia
Man sollte Fragen besser nicht stellen, deren Antworten man nicht erträgt. Eine schwangere Mutter hat sich deshalb bewusst gegen die Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik entschieden. Sie will weder eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen, um Auskünfte über die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes einzuholen, noch an einem Bluttest teilnehmen, der Schwangeren neuerdings angeboten wird, um genetische Defekte am Embryo frühzeitig zu erkennen. Die Mutter würde das Kind auch bekommen, wenn es krank wäre, sagt sie, deshalb sei die Information für sie uninteressant. Jeder, der heutzutage ein Kind erwartet, muss diese schwerwiegende Entscheidung für sich treffen. Wie viel will, wie viel darf ich wissen über das Leben, das da im Bauch einer Mutter wächst? Denn seit die Gentechnik immer häufiger in der vorgeburtlichen Diagnostik zum Einsatz kommt, stehen Eltern vor riesigen Konflikten. Sie müssen nämlich Entscheidungen treffen, die sich früher gar nicht stellten. Da waren Frauen guter Hoffnung - guter Hoffnung eben, dass das Kind gesund sein möge.
Erst der Anfang
Der neue Bluttest, der Eltern heute für rund tausend Euro angeboten wird, erteilt Auskunft vor allem über Trisomie 21, also darüber, ob das Kind an Down Syndrom leiden wird. Schon früher wurde dies mittels einer Fruchtwasseruntersuchung geprüft. Doch weil der Eingriff eine gewisse Gefahr für das ungeborene Leben darstellte, schreckten viele davor zurück. Der neue Test, der nur das Blut der Mutter untersucht ist hingegen harmlos. Nur die Informationen, die er preisgibt, die haben es in sich. Denn das Wissen über die Gesundheit des ungeborenen Kindes kann schnell zu einer Frage von Leben oder Tod werden. Und der Traum vom perfekten Kind zum Albtraum.
Dabei machen sich viele Eltern nicht klar, dass die Diagnostik ihre Sorgen nicht löst, sondern auslöst. Denn genetische Abweichungen wie das Down Syndrom kann man nicht heilen. Deshalb geht es hier, wenn man tatsächlich einen Befund hat, vor allem um die Frage eines Schwangerschaftsabbruchs. Die Zahlen hierüber sind eindeutig: Einmal entdeckt, werden neunzig Prozent aller Föten mit Trisomie 21 abgetrieben. Vor dieser „Art Screening“ für das Down-Syndrom warnen deshalb die Humangenetiker.


Dokumentation auf DVD
DER TRAUM VOM PERFEKTEN KIND
Patrick Hünerfelds Dokumentation ist als DVD im Wissens-Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro
Die Dokumentation, die vor einiger Zeit in der ARD-Reihe „die story“ zu sehen war, ist jetzt als DVD erschienen. Werdende Eltern kommen ebenso zu Wort wie Pränatalmediziner und Betroffene. Juliana Götze und ihre Kollegen vom integrativen Theater RambaZamba in Berlin zum Beispiel empfinden den neuen Bluttest als Angriff auf das Lebensrecht von Menschen. „Jeder ist normal ein Mensch“, sagt Juliana Götze, "und man fühlt sich auch wie ein normaler Mensch". Für die Regisseurin Giesela Höhne, die selbst einen Sohn mit Down Syndrom hat, ist dies eine der schlimmsten Situationen, die sie sich überhaupt vorstellen kann: "Dass gerade diese Menschen, die 50 freundlich und auch 50 offen anderen Menschen gegenüber sind, und so witzig, dass gerade die nicht mehr existieren sollen. Die Welt ist so viel ärmer ohne diese Menschen. Ich finde es wirklich eine richtige Tragödie, dass diese Menschen, ich sage es wirklich so: ausgerottet werden sollen.“

Quelle: „Lebe“ – Zeitschrift der Bewegung für das Leben – Meran, Südtirol, Ausgabe 122, März-April 2015, S. 18.

Link zur Video-dokumentation auf Youtube 

Bei Amazon für € 14,98 hier ansehen

Bild in https://www.praxisvita.de/der-traum-vom-perfekten-kind-3898.html

Mittwoch, 7. November 2018

Vom Holocaust zum Babycaust



VON DR. FRED DUSWALD*
Als „Frau, die einen Holocaust überlebte und einen anderen verschuldete“ kennzeichnet das katholische Medium Info Vaticana die am 30. Juni Alter von 90 Jahren in Paris verblichene Politikerin Simone Veil (1927-2017), die als Jugendliche die Judenverfolgung überlebte und als Gesundheits(!)ministerin 1974 das Abtreibungsgesetz durchboxte, dem seither mindestens 7,5 Millionen ungeborene Kinder zum Opfer gefallen sind.
„Das trauernde Frankreich bringt Madame Simone Veil seine Dankbarkeit zum Ausdruck“, twitterte Staatspräsident Emmanuel Macron. Nicht lumpen ließ sich auch sein Vorgänger François Hollande: „Frankreich verliert eines seiner großen Gewissen.“
Das Licht der Welt erblickte die „Jahrhundertfrau“ (Die Welt) als Simone Jacob in Nizza. Mutter Yvonne, geborene Steinmetz, war Atheistin, Vater André, Architekt, hasste die Deutschen und nannte sie, so Simone am 22. März 2009 im Berliner Tagesspiegel, stets „les Boches“. Im März 1944 wurde die jüdische Familie verschleppt. Vater und Bruder kamen nach Litauen. Beide kamen nicht zurück. Simones Schwester Denise war bei der Résistance und überlebte im KZ Ravensbrück. „Die Mutter starb in Auschwitz“, zwischentitelte Die Welt in ihrem Nachruf auf Simone, um anschließend im Text fortzusetzen, dass diese in Bergen-Belsen „wenige Tage vor der Befreiung zusehen musste, wie ihre Mutter [dort] an Typhus starb“ (5.7.2017).
Simone heiratete 1946 Antoine Veil, den Generaldirektor der Lufttransportgesellschaft UTA und wurde unter Giscard d'Estaing Ministerin. Sogleich nahm sie die Freigabe der Abtreibung in Angriff: „Es war eine explosive, chauvinistische Stimmung im Land. Dabei hatte der Nouvel Observateur schon das ,Manifest der 343‘ veröffentlicht, in denen zum Beispiel Simone de Beauvoir [1908-1986], Françoise Sagan [1935-2004}, Catherine Deneuve [*1943] Jeanne Moreau [*1928] erklärten, sie hätten abgetrieben. Das Gesetz wurde ein Triumph.“
Erschütterter Staat
Laut Deutschlandfunk erschütterte Simone Veil das Wertesystem Frankreichs bis in die Grundfesten. Nie wieder gab es eine so schwierige Debatte in der Nationalversammlung. Da wurde geschrien und geschimpft, es gab die schlimmsten Beleidigungen. Ein Abgeordneter fragte, ob „Madame la Ministre“ es verantworten könne, Embryos wie in den Nazi-Lagern zu verbrennen. Einen Moment lang verbarg Simone Veil ihr Gesicht. Noch Jahrzehnte später spekuliert man in Frankreich darüber, ob die junge Gesundheitsministerin, die den Geruch der Krematorien von Auschwitz nie vergessen hat, in diesem Moment weinen musste.
Die Abstimmung
Am 29. November 1974 um 3.40 Uhr morgens stimmten die Abgeordneten ab. Die bürgerliche Seite verfügte über eine satte Mehrheit von 302 von 490 Mandaten. Die Liberalen aber, denen Simone Veil angehörte, erstrebten mit nicht geringerer Vehemenz als die politische Linke die Legalisierung des Kindermordes. Die Linksopposition, die geschlossen für die Abtreibung stimmte, und ein Drittel der bürgerlichen Regierungskoalition schufen ad hoc eine ansonsten nicht existierende Par1amentsmehrheit. Simone Veil wurde zum international von Linken und Liberalen gefeierten Fetisch des Feminismus. „Ich hatte nicht den Hass erwartet, den ich wecken würde“, erinnerte sie sich später. „Man hat auf meine Haustür ,Veil=Hitler‘ geschrieben.“ Dieser Vergleich hinkt insofern, als für Abtreibung unter Hitler die Todesstrafe drohte.
Die Praxis heute
Heute praktizieren mehr als 95 Prozent der französischen Gynäkologen die Abtreibung oder sind bereit dazu. Weniger als fünf Prozent machen von einem eingeschränkten Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen Gebrauch. Wer aus Gewissensgründen verweigert, hat beruflich schwere Nachteile. Die Chancen auf eine Stelle als Chefarzt sinken auf Null.
Der Großorient von Frankreich jedoch, größte Freimaurer-Obödienz der Republik, ehrte die Täterin mit einem Abguss der „Marianne“ von Jacques France. Die Verleihung der Statuette sei „ein Zeugnis der Verbundenheit und der Anerkennung des Großorients von Frankreich für Simone Veil, unsere Schwester von Herzen“, lobte Großmeister Daniel Keller ihren „Kampf für die Frauenemanzipation, die Tochter der Laizität, die den Kern des freimaurerischen Wirkens bildet“. Die „Loi Veil“ pries er als „Symbol jener Verbesserung des Menschen und der Gesellschaft, an der die Freimaurer arbeiten: Dieses Gesetz bleibt ein Pfeiler unserer Gesellschaft.“
Gewählt & geehrt
Nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung wirkte die „Mahnerin und Ministerin“ (Der Tagesspiegel) von 1979-1981 als Präsidentin des Europäischen Parlaments in Straßburg. Gewählt wurde die Engelmacherin mit den Stimmen der bundesdeutschen Christdemokraten und Christsozialen. Verwirrung kam auf, als bekannt wurde, dass Simone Veil, Ehrenvorsitzende einer Stiftung zum Gedenken an die Shoah, auf einer vom Auschwitz-Museum erstellten Liste zu Unrecht als eine im Holocaust Umgekommene geführt wurde.
Über die Überlebende ging ein Regen von Ehrungen und Auszeichnungen hernieder:
Wie vor ihr der Kriegsverbrecher Winston Churchill (1874-1967) und nach ihr die Rechts- und Verfassungsbrecherin Angela Merkel wurde Simone Veil mit dem Karlspreis der Stadt Aachen bedacht. Auf dem Fuß folgten der Truman-Preis für Frieden, die Stresemann-Medaille in Gold, der Schillerpreis der Stadt Marbach, der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf und nicht zuletzt der Bürgerrechtspreis der Zigeuner. Diese Aufzählung ist nicht vollständig. Britenqueen Elisabeth ernannte die Engelmacherin zur „Dame Commander“.
2008 wurde Simone Veil als sechste Frau zum Mitglied der „Academie française“ gewählt. So nennt sich die 1635 unter Ludwig XIII. (1601-1643) ins Leben gerufene Gelehrtengesellschaft, die sich der Pflege der französischen Sprache widmet. Simones Sitz dort war Fauteuil 13, auf dem auch schon der Dichter Jean Racine (1639-1699) saß. Die Mitgliedschaft in der Academie gilt als ehrenhafteste Krönung einer Intellektuellenkarriere mit quasi-adligen Status. Zu allem Überfluss ruht die „Heroïne“ (L'Officiel ) im Pariser Pantheon, der Ruhmeshalle Frankreichs.
Geistliches Lob
Von geistlicher Seite kam zur mehrfachen Ehrung der Engelmacherin kein Wort der Missbilligung. Der Fall Veil erinnert vielmehr an den Fall Emma Bonino (* 1948), der zentralen Figur bei der Legalisierung der Abtreibung in Italien. Anno 1975 wurde die Liberale Mitbegründerin des Informationszentrums für Sterilisierung und Abtreibung (“Centro di Informazione Sterilizzazione e Aborto”, CISA) zur Ikone für die italienische Legalisierungskampagne.
Höchtes Lob
Papst Franziskus lobte Emma Bonino im Corriere della Sera vom 8. Februar 2016 als „ganz Große“.
Analoges Lob spendeten nun Frankreichs Bischöfe der verblichenen Simone Veil: „Wir grüßen ihre Größe als Staatsfrau, ihren Willen, für ein brüderliches Europa zu kämpfen, ihre Überzeugung, dass Abtreibung ein Drama ist.“ Für das Zweite Vatikanische Konzil war Abtreibung kein Drama, sondern ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“. So wörtlich in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ unter Nr. 51.
Angesichts der gigantischen Blutspur, die Simone Veil durch ihr Abtreibungsgesetz durch Frankreich und Europa zog, ist die Twitter­Botschaft der französischen Bischöfe ein maximaler Skandal. Der Abtreibungspolitikerin wurde kritiklos Weihrauch gestreut. Die Abtreibungsopfer, die fast 7,5 Millionen unschuldige Kinder, die Veils Gesetz zum Opfer gefallen sind, wurden mit keinem Wort erwähnt.
Die Bischöfe verhalten sich damit nicht anders als die Abtreibungsideologen. Die ungeborenen Kinder werden ausgeblendet. Sie gibt es einfach nicht. Sie müssen entmenschlicht und verdinglicht werden, um sie gewissenlos beseitigen zu können.
Auch beim Ableben der abtreibungsrabiaten (österreichischen) Parlamentspräsidentin Barbara Prammer (1954-2014) sagten Österreichs „ungute Hirten“ nicht zum Abschied leise „servus“, sondern lobten die tote Rote auf das Lauteste.
* Dr. Fred Duswald gehört zu den angefeindesten Schriftstellern Österreichs. Zuletzt überstand er einen Prozess nach einer Anzeige durch den Linzer Bischof Manfred Scheuer. Trotz allem tritt Duswald nicht aus der Kirche aus und berappt die von Hitler eingeführte Kirchensteuer. So wie schon den unvergessenen Pornojäger Martin Humer zählt „Der 13.“ Dr. Fred Duswald zu seinen Freunden.

Aus „Der 13.“ Nr. 9 vom 13. September 2017, S. 5-6.
Foto: http://www.europe1.fr/politique/simone-veil-ceremonie-dobseques-officielles-mercredi-aux-invalides-presidee-par-macron-3376676