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Donnerstag, 5. Juni 2014

Zeitalter des Todes

Wir leben in einem Zeitalter eines übertriebenen Nihilismus, einem Zeitalter des Todes; einer Zeit, für die folgendes gilt – wie der Schriftsteller Walter Percy feststellte: "Mitleid führt zur Gaskammer", oder zur Abtreibungsklinik oder in die Praxis des Euthanisten.
Wir leben in einem Zeitalter, in dem wir die Person immer höher definieren, so dass immer weniger von uns  wirklich emporgelangen, in einer Zeit, in der wir moralische Werte praktische aufgeben, so dass wir Menschen wie Dinge behandeln können – und die Abtreibung, freilich, hat uns dazu geholfen, dies zu erlernen; weiters ist es eine Zeit, in der die Säulen der Sicherheit gesprengt werden – Kirchen, Schulen, politische Institutionen – so dass alles, einschließlich ihr Leben, mein Freund, zur Diskussion steht… Die systematische Erstickung von Autorität und die hoffnungslose Verbannung normativer Ethik. Wie erfreulich und endlos ist doch unsere Auswahl! – Zu töten, zu sterben, zu gebrauchen bis nicht mehr brauchbar, alles ohne jemals verurteilt zu werden, auch nicht von unserem Selbst. Es ist so wie Alisdair MacIntyre es so treffend ausgedrückt hat: Die Barbaren warten nicht jenseits der Grenze, sie regieren uns bereits seit einiger Zeit.

(Dr. Bernard Nathanson in "Die Hand Gottes")

Freitag, 30. Mai 2014

Mein gläserner Bauch -

Das Dilemma der vorgeburtlichen Diagnostik

Schwanger zu sein, Mutter zu werden, ist häufig mit einer Mischung aus Hoffnungen und Ängsten verbunden. Um diese Ängste zu bannen, ist es für die meisten werdenden Eltern heute selbstverständlich, die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik in Anspruch zu nehmen, oft ohne sich über deren Tragweite bewusst zu sein. Denn werden bei Ultraschall, Blut- oder Fruchtwasseruntersuchung Erkrankungen oder Behinderungen des ungeborenen Kindes festgestellt, legen Ärzte schnell den Abbruch der Schwangerschaft nahe. Die werdenden Eltern stehen damit vor einer Entscheidung, die viele so nie treffen wollten. Schonungslos offen und ergreifend berichtet Monika Hey von ihrer eigenen Erfahrung mit der Pränataldiagnostik und öffnet zugleich die Augen für ein ethisches Dilemma, das jede Schwangere, jedes werdende Elternpaar und unsere Gesellschaft als Ganzes betrifft.


Monika Hey: „Mein gläserner Bauch: Wie die Pränataldiagnostik unser Verhältnis zum Leben verändert“, Deutsche Verlags-Anstalt, 2012, 224 Seiten, Kindle Edition bei Amazon EUR 15,99. ISBN-10: 3421045380, ISBN-13: 978-3421045386

Kurzbeschreibung und Abbildung bei Amazon


http://www.amazon.de/Mein-gläserner-Bauch-Pränataldiagnostik-Verhältnis/dp/3421045380

Liebe macht Klug - Rezension

Liebe macht klug

Rezension zu
Anne-Ev Ustorf: „Allererste Liebe. Wie Babys Glück und Gesundheit lernen“, Klett-Cotta, Stuttgart 2012, 208 Seiten

Feinfühlige Zuwendung ist die beste 
Frühförderung fürs Leben. (AP)
Zuwendung ist das beste Rüstzeug für die kindliche Entwicklung. Das bestätigen Studien, die die Wissenschaftsjournalistin Anne-Ev Ustorf in ihrem Buch "Allererste Liebe" aus Bindungsforschung, Psychoanalyse und Hirnforschung zusammengetragen hat.
Ausschlaggebend für eine gute Entwicklung ist die Bindung. Bindung beginnt schon im Mutterleib, und damit beginnt auch das Buch. Was die Mutter fühlt, überträgt sich auf das ungeborene Kind, ihre schönen Gefühle wie auch ihr Stress. Depressive Mütter reichen ihre Depression über die Nabelschnur weiter, indem sie die Aktivitäten der Stresshormone des Kindes programmieren. Das schlimmste Leid, das in dieser Zeit dem Kind zugefügt werden kann, ist aber, es gar nicht zur Kenntnis zu nehmen. Verleugnung der Schwangerschaft bringt die größten Geburtsrisiken mit sich.
In den ersten Lebensjahren, Kapitel 2 des Buches, lernt das Kind vor allem, seine Gefühlszustände zu erkennen und zu regulieren. Die Mutter deutet die Zeichen seiner Wohl- und Unwohlgefühle und handelt danach. In der emotionalen Kommunikation mit ihr lernt das Kind auch, dass andere Menschen andere Gefühlszustände haben als es selbst, was für das Baby anfangs keine Selbstverständlichkeit ist. 
Alles, was hierzu die Bindungsforschung zu sagen hat, präsentiert Anne-Ev Ustorf nicht mit dem Druck, nun die beste aller Mütter (oder Väter) zu sein. Zu gut zu sein, kann schaden, weil das Kind auch lernen muss, dass seine Bedürfnisse von den Eltern verfehlt oder frustriert werden, und man dennoch wieder zueinander findet. Das gilt auch für die Frage, ob man selbst immer für das Kind da ist oder es in die Krippe gibt. Ustorf fasst in einem Kapitel Forschungen zu dieser Frage zusammen und sagt: Das Wichtigste ist ein von sozialen und psychischen Problemen einigermaßen unbelastetes Familienleben.
Ein langes Kapitel widmet sie den schädlichen Folgen misslungener Bindung für das weitere Leben. Nicht nur früher Verlust, extreme Vernachlässigung und sexueller oder körperlicher Missbrauch, auch psychische Störungen der Eltern können die Entwicklung beeinträchtigen. Zum Beispiel, wenn depressive Mütter ihre Babys seltener anschauen und berühren und weniger mit ihnen reden und spielen. Dann kann sich ein Muster des Rückzugs beim Kind herausbilden, mit dem es für den Rest des Lebens an seine Beziehungen herangeht. Aber, so Ustorf, ein Umlernen ist auch als Erwachsener möglich, vor allem durch heilsame Partnerschaften oder Psychotherapie.
Und auch Baby-Englisch-Kursen und Musik-Kindergärten setzt sie etwas entgegen: Liebe macht klug. Das Buch macht es auch. Es ist fundiert und gut geschrieben, jeder Satz verständlich. Man liest es und atmet durch nach dem Satz: "Es ist an der Zeit, mehr Unbeschwertheit und weniger Druck in das Leben mit Kindern einziehen zu lassen.” Anne-Ev Ustorf fordert genau dazu auf. Und das macht das Buch für Eltern, die sich selbst viel zu sehr unter Druck setzen, die alles richtig machen wollen, lesenswert. 

Besprochen von Ulfried Geuter

Anne-Ev Ustorf: Allererste Liebe. Wie Babys Glück und Gesundheit lernen
Klett-Cotta, Stuttgart 2012
208 Seiten, 18,95 Euro

Quelle: http://www.deutschlandradiokultur.de/liebe-macht-klug.950.de.html?dram:article_id=224473



Anne-Ev Ustorf ist 1974 in Hamburg geboren. Sie studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der University of York (B.A.) und am Courtauld Institute of Art der University of London (M.A.) in England. Während eines kurzen Ausflugs in die PR entdeckte sie ihre Liebe zum Schreiben und volontierte anschließend bei einer Hamburger Zeitschrift. Seit 2003 ist sie als freie Autorin mit den Schwerpunkten Psychologie, Bildung und Gesellschaft für verschiedene Print-Magazine und überregionale Tageszeitungen tätig. Außerdem schreibt sie Sachbücher: Im August 2008 erschien ihr Bestseller "Wir Kinder der Kriegskinder: Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs" (Herder Verlag), im Herbst 2012 das Sachbuch "Allererste Liebe: Wie Babys Glück und Gesundheit lernen" bei Klett-Cotta. Sie ist Dozentin für Journalistik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg und lebt mit ihrer Familie in der Hansestadt.


Quelle:  http://ustorf.de/?MAIN_ID=5